BlogCanada

(Meine) Schlägerei im Club

By 24. November 2016 No Comments

Mit den Fahrradhandschuhen im Büro

Im Rahmen unserer Dienstagsvorlesung, in der wir eine Startup-Idee entwickeln und diese exekutieren sollen, bekamen wir eine Präsentation und Führung im DMZ. Das DMZ steht für Digital Media Zone, das aus der früheren Zeit übernommen wurde. Heutzutage ist dieses auch mithilfe unseres Professors zum größten universitären Inkubators Nordamerikas geworden. Auf Deutsch bedeutet das, dass das DMZ neuen Startups und Gründern hilft ihre Ideen zu verwirklichen und zu monetarisieren, sei es durch Rechtsberatung oder Büroraum. Weltweit steht diese Institution der Ryerson-Universität (laut irgendeinem Rang) auf Platz 3! Zunächst wird uns das DMZ vorgestellt und anschließend präsentieren zwei Gründer ihre Startups. Rewordly und Crowdbabble sehen nach richtig coolen Ideen aus und haben schon mehrere Kunden an Land ziehen können. Ziemlich interessant, was hier geschaffen wird und welche Möglichkeiten die Ryerson University ihren Studenten oder auch externen Gründern bietet. Kurz danach werden wir durch das Gebäude am Dundas-Square geführt. Auch wegen dieser Lage an der Kreuzung mit dem meisten Verkehr in Kanada, macht das DMZ sehr beeindruckend. Zuvor waren die Räumlichkeiten das Torontoer Büro Googles. Der Style und der kollaborativ-offene Arbeitsraum ist typisch für Startups und anstatt von Türschildern aus Papier hängt einfach an jeder Tür ein iPad-Mini. Als wir in den Coder-Bereich kommen, müssen Tobi und ich erstmal richtig lachen, weil ein kleiner schlaksiger Asiate von seinem Schreibtisch aufsteht, an dem zwei Bildschirme hochkant (!) stehen, und mit seinen Fahrradhandschuhen, die ihm vermutlich zum Hochgeschwindigkeitskodieren verhelfen, in die Pause geht.

Toronto DMZ

 

“Ich verbrenn mein Trikot danach”

Wir hatten ja bereits Basketball abgehakt und nur Uni-Icehockey gesehen, weshalb wir nun endlich zu einem Maple Leafs Spiel gehen wollten. Als wir die Tickets buchten vermerkten wir ja schon geschockt, dass das Team Torontos letztes Jahr als letzter in der Tabelle abgeschnitten hatte und damit der Stadt nicht gerade zu Ruhm verhalf. Nichts desto trotz gingen wir zu siebt zum Spiel und mussten feststellen, dass wir Stehplätze gekauft hatten. Stehplätze sieht man auf keinem Foto, weil es diese ernsthaft nur in der letzten Reihe gibt. Ich habe mich ein bisschen geärgert, weil das nirgends bei Ticketmaster stand. Jedoch war das nicht ganz so schlimm, weil wir nach dem ersten Drittel einfach freie Sitzplätze eingenommen hatten. Der Gegner der heutigen Partie waren die Los Angeles Kings, die grob gesagt die Maple Leafs wegbetoniert haben. Ich habe schon lange nicht mehr soetwas gesehen. Die Kings gewannen mit 7 – 0 und die Leafs hatten nicht den Hauch einer Chance. Icehockey war dennoch cool anzusehen und die Stimmung war aufgrund einer 60-70-jährigen Frau, die immer lauthals “Go Leafs Go!” schrie, gar nicht schlecht. Am Schluss klatschen die Leafs-Fans trotzdem, weil dieses niederschmetternde Spiel endlich vorbei war. Tobi hatte im Juli zu seinem Geburtstag von seinen Kumpels ein Maple-Leafs-Trikot geschenkt bekommen, das mit Namensflock auf der Rückseite 180 CAD kostet (124€). Die spinnen total! Er meinte nur nach dieser Niederlage, dass er das Trikot danach verbrennen würde. Tobi ist zwar manchmal verrückt, aber das hat er nicht gemacht.

 

Election Party

Am selben Abend lief die umstrittene US-Präsidentschafts-Wahl, die auch in Kanada ein sehr großes Thema darstellt. Direkt nach dem Eishockeyspiel gingen zumindest Lena, Yannick und ich noch in die Unibar. Tobi musste krankheitsbedingt aussetzen. Als wir ankamen standen die Chancen, dass Trump gewinnt bereits bei über 70% und ich konnte es einfach nicht fassen. Ich drückte weiterhin die Daumen, dass Clinton aufholen und überholen würde, aber das hatte nicht gereicht, als ich am nächsten Tag auf mein Handy schaue und lese, dass Trump gewonnen hat. Die Kanadier schauen in dieser Hinsicht ein wenig auf die US-Amerikaner herunter. Die Krux dieser Wahl war sicherlich, dass sich die Trump-Anhänger in der Öffentlichkeit nicht so stark gegeben haben, wie die Clinton-Jünger. Es wird sich zeigen, welche Folgen diese Wahl für die Kanadier haben wird. Am nächsten Vormittag ist die offizielle Seite zur Einwanderung jedenfalls zusammengebrochen, wie bereits erwartet. Ich kann mir nicht vorstellen (ich hoffe es), dass Trump zur Weltzerstörung führen wird und ich finde, dass wir erstmal abwarten sollten was passiert. Und bevor wir über die Amerikaner urteilen, sollten wir uns darüber Gedanken machen, dass auch in Deutschland vor kurzem die ein oder andere Landtagswahl geschockt hat und Ruhe eingekehrt ist.

Callum ist “pumped”

Dani und ich gehen ins REC, um mit Callum Squash zu spielen. Schon am Vortag meinte er zu mir, dass er “pumped” ist um zu spielen. Ich dachte ursprünglich, dass das sein natürlicher Enthusiasmus ist. Dem war aber nicht so. Er erzählte uns, dass er am morgen eine Hausarbeit abgeben musste und am Vortag ein paar Pillen eingenommen hatte, damit er die Nacht durchmachen konnte. Ich fragte, ob das Ritalin gewesen sei und er antwortete, dass es nicht so starkes Zeug sei. Ok. Er war jedenfalls die nächsten zwei Stunden beim Spielen immer noch mega energetisch, weshalb er auch ein paar Sätze gewinnen konnte. Verrückter Typ!

Der beste (vegane) Burger meines Lebens

Yannick, Lenas Freund und derzeit zu Besuch, kann sehr gut kochen und hatte die Idee Burger zu braten. Ich habe mich kurzfristig entschieden gesünder zu essen, nachdem die vorherige Woche ja mit Subs, Pizza und anderen ungesunden Lebensmitteln gespickt war. Und natürlich immer viel zu viel. Tobi suchte deshalb ein Rezept für vegane Patties und alles andere blieb gleich. Yannick zauberte eine richtig leckere Granatapfelsauce dazu und Tobi brachte einen exquisiten veganen Käse, der auch wahnsinnig gut war. Anfangs sagte ich, dass es dieser vegane Burger in meine All-Time-Top-3 geschafft hätte. Als ich später darüber nachdachte, muss ich jedoch sagen, dass es wirklich der beste Burger bisher war. Und er war vegan!

Nach dem Kochen hatten die Jungs dann noch richtig Spaß Dosen zu zertrümmern durch das Handtuchwatschen! Ich kann das leider nicht so gut, deswegen haben Yannick und Tobi den Part übernommen und ich hab gefilmt. Sehenswert!

Zertrümmerte Dose

 

Bar 244

Eigentlich hatte ich wirklich keine Lust zu feiern, bin aber schlussendlich doch mit, weil ich mir dachte: “okay, die 2 Stunden reiß ich ab, dann hab ich nichts verpasst.” Nicht die beste Voraussetzung um weg zu gehen. Wir gingen mal wieder in die Bar 244 und ich wollte an dem Abend auch wirklich nichts trinken und nüchtern bleiben, was die Leute nicht daran hindert, dir im Minutentakt die alkoholischen Getränke unter die Nase zu halten. “Mal trinken?” Nach anfänglichem Tanzmuff hatte ich dann jedoch doch Spaß als im unteren Teil der Bar gute Musik lief und man einfach bisschen abspacken konnte. Wir legten dort unsere Jacken einfach auf eine Couch in der Ecke, was sicherlich nicht gerade sicher war. Aber ich habe schon immer bisschen rübergespitzelt und aufgepasst. Dort lagen vor allem auch die Jacken von anderen und dann setzten sich irgendwann noch Leute hin. Das war alles ein bisschen chaotisch. Irgendwann geht dort ein Mädle hin, zieht sich eine schwarze Jacke an und geht wieder in den Tanzbereich. Ich dachte mir so: “Die Jacke sieht aus wie Tobis.” Ich bin zu den Jacken rüber, hab hin und her geschaut, wo Tobis Jacke ist, hab ihn dann gefragt und er meinte, dass seine Jacke weg sei. Diebstahl! Nein… 😀 Ich sagte Tobi, wo das Mädle hin ist und er hat sich die Jacke zurückgeholt. Diese war anscheinend nur richtig besoffen. Glück gehabt!

Bar 244 Toronto

Der Tag an dem ich mich erkältete

Wir wollten nochmal mit Yannick auf Toronto Island, und ich wollte endlich mein Bild der ganzen Skyline bei Sonnenuntergang und Nacht machen. Auf dem Weg dorthin war auf dem Dundas-Square ein Straßenkünstler, der mit seiner Feuerpeitsche coole Feuerbälle gemacht hatte. Ein wirklich cooler Typ, da er zwar eine gute Show hatte, aber sich einfach super verkaufen konnte mit Charme und Witz. Er meinte z.B. dass man ihm einfach die Hand schütteln und Danke sagen sollte nach der Show, wenn man kein Geld kann. Ein feiner Schachzug! Ich hätte auch was gegeben, wenn ich nicht immer komplett ohne Bargeld unterwegs wäre.

 

Nach dieser doch längeren Unterbrechung sind wir weiter zur Fähre gelaufen und zur Insel rübergefahren. Leider bin ich dort ohne Mütze hin und es war mega kalt. Barfuß noch den Fuß ins Wasser zu halten, hat es im Nachhinein bestimmt auch nicht besser gemacht. Jedenfalls bin ich seitdem krank! Männerschnupfen seit 9 Tagen! Lena, die Mutti, hat mir aber ein bisschen Ipalat gegeben, dass mir gegen den Husten geholfen hatte. Nichtsdestotrotz war das ein cooler Ausflug mit coolen Bildern!

Toronto Islands are beautiful every season of the year. #torontoislands #beach #sun #fall #indiansummer

A video posted by Tobias Schmücker (@tbsmkr) on

 

Friedhof, Kühe und der Supermoon

Neuer Tag, neuer Spaziergang. Bevor ich einen Spaziergang starte, schaue ich einfach auf Google Maps nach Grünflächen und diesmal hat mich der Friedhof gereizt. Und tatsächlich war dieser sehr schön, weil das Laub auf dem ganzen Gelände natürlich verteilt war. Ein bisschen abseits habe ich versucht ein cooles Bild mit Laub in der Luft zu schießen, das ist das Ergebnis:

Autumn in Canada ?? #leafs #leafsfalling #beautifulday #walk #toronto #canada #studyabroad #selfiewithtripod #photomerge

A photo posted by Ferdinand Stöhr (@fellowferdi) on


Danach lief ich weiter zur Riverdale Farm, wo es Ferkel, Kühe, Pferde, Ziegen und das ganze Bauern-Feeling gab. Irgendwie cool, da hab ich mich doch fast wie daheim auf dem Land gefühlt. Es ist wirklich schwierig sich das vorzustellen, aber man lebt ganz anders in einer Großstadt wie Toronto, wo man kein Auto hat und es jeden Tag etwas zu sehen und zu machen gibt.

 

Another shot of my latest photowalk in Toronto. #autumn #fall #colorful #fence #Toronto #Canada #studyabroad #nofilterneeded

A photo posted by Ferdinand Stöhr (@fellowferdi) on

 

An diesem Tag war der Supermoon, der seit 1948 nicht mehr so nah an der Erde war. Da bin ich doch gleich auf unser Rooftop gegangen und habe ein Foto gemacht. Schwierig ein scharfes Foto zu machen, aber ich bin dennoch ganz glücklich mit dem Ergebnis:

 

 

“I don’t know loyalty”

Es gibt an der Ryerson University einen Campus Store, wo man Merchandise, Kleidung mit dem Studiengang drauf oder mit “Ryerson University” kaufen kann. Es ist mal wieder beeindruckend, wie hier Geld mit den Studenten gemacht wird. Ein Sweater kostet 60$ plus Steuern! Tobi und ich kauften glücklicherweise in einem Aktionszeitraum, in dem der Sweater dann nur 40$ kostete. Ich schicke ein paar Snaps mit meinem neuen Sweater rum. Am Abend komme ich in meine Küche, wo Krysten, Danaca und Tameika sitzen. Krysten meinte, dass sie meinen Snap gesehen habe und der Sweater cool sei. Ich erzähle von der Aktion und Danaca und Tameika meinen sofort, dass sie auch einen kaufen sollte. Krysten ruft hinein, dass sie auch einen will, worauf ich sage, dass sie doch nichtmal auf der Ryerson University ist, sondern auf der University of Toronto. Ich musste richtig loslachen, als sie einfach nur meint, dass sie keine Loyalität kennt!

Ryerson Sweater

 

Rausgeschmissen aus dem Club wegen Schlägerei

Tobis Kumpel hatte uns angefleht auf ein Konzert zu gehen. (EDIT: „empfohlen“ wurde auf Anfrage des besagten Kumpels in „angefleht“ geändert.) Das Electronic-Duo nennt sich “Louis the Child” und trat im Hoxxton auf, wofür Tobi und ich Tickets besorgt hatten. Wir waren um 20:45 vor einem verlassenen Club, weil wir dachten, dass viel los sein könnte. Jedoch war um 21 Uhr nur der Einlass. Ein paar Leute waren für ein Meet & Greet angemeldet und wurden von der Security gebrieft: “Geht rein, macht so viele Fotos wie ihr wollt und quatscht ein bisschen. Aber schaut ihnen nicht in die Augen.” Die Mädels schauten total verdutzt und kurz darauf grinste die Sicherheitsbeauftragte und sagte, dass es ein Witz sei.

Kurze Zeit später kommen wir hinein. Wir haben 15$ für das Ticket bezahlt, 5$ für die Garderobe und blätterten 8$ pro Bier hin. Menschenskinder, das ist ja Wucher, aber wenn wir auf einem Konzert sind, dann wollen wir das einfach genießen. Die zwei Voracts waren ziemlich gut und haben echt Stimmung gemacht. Dadurch, dass wir jedoch so früh da waren und ich immer noch recht krank war, wurde ich aber müde. Das passiert wenn man viel zu früh im Club ist…

Als Louis the Child endlich um 23:15 auftrat, haben alle richtig gefeiert und es war richtig cool. Ich kannte das Duo nicht wirklich und war daher mehr als positiv überrascht. Tobis Kumpel ist anscheinend ein riesiger Fan, was dieses Zitat recht gut verdeutlicht: “Wenn man die gesehen hat, dann hat man’s geschafft im Leben!” Haha, klar!

Vor mir war ein recht stämmiger Typ der nicht wirklich tanzte, sondern eher nur da stand. Irgendwann kamen zwei Typen vom Securityteam und quatschen ihn an. Ich konnte nicht viel verstehen, weil es mich auch gar nicht interessierte, weil es direkt vor mir stattfand. “Du weißt, dass das illegal ist?”, war das einzige, das ich verstehen konnte, worauf der Typ nicht reagierte und einfach nur weiter herum stand. Aus dem Nichts packen ihn die zwei Securities im Schwitzkasten und schlägern rum. Das war echt krass und ich hab sowas noch nie gesehen! Ich hab auch gar nicht zugeschaut, weil ich kein Fan vom Gaffen bin, und habe einfach nur weiter getanzt und das Konzert genossen. So weit, so gut. Jetzt pass auf. 20 Minuten später tanze ich immer noch nichts ahnend. Auf einmal kommen wieder die beiden Securities, packen mich im Polizeigriff, rufen “du kommst jetzt mit uns!” und schieben mich ruppig so durch den ganzen Club nach draußen und sagen, dass der Abend für mich beendet ist. Ich war so perplex, da ich ja nichts gemacht hatte und mir niemand sagen wollte, was denn los war. Tobi ist uns gefolgt, weil er auch nicht wusste was los war. Er fragte den Security was los sei, der daraufhin antwortete, dass ich doch im Club eine Schlägerei gehabt hätte und ich deshalb rausfliege. NEIN?! Ich gab Tobi das Ticket für die Garderobe und wir sind gegangen. Draußen stand der verprügelte Typ von vorher und wusste genauso wenig, was denn überhaupt los war. Sicherheit ist ja okay, aber die Leute ohne Grund rauszuschmeißen oder ohne ihnen zu sagen warum, ist einfach nur lächerlich! Naja, immerhin habe ich so weiterhin etwas, worüber ich schreiben kann. 🙂 So sehen wir aus, wenn wir not amused sind!

img_0649

Verrückte Woche! Nächstes mal erzähle ich vom Helikopterfliegen und was ein Weißwurstfrühstück in Toronto kostet.

Bis dahin: immer schön brav im Club bleiben!

F

Leave a Reply