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Call me Fernandez

By 21. November 2016 No Comments
Ryerson University MAC

Zurzeit bin ich ja offiziell im fünften Semester. Eigentlich wäre dies das Praxissemester, weil man in Toronto aufgrund der Trimesterstruktur nur im Wintersemester studieren kann, habe ich mein fünftes und sechstes Semester getauscht. Die logische Folge: ich habe nächstes Semester ein Praktikum vor mir, das ich mir jetzt suchen muss! Glücklicherweise hat unser Studiengang ein Booklet namens “Talents in Advertising”, in dem jeder Student des Studiengangs Werbung und Marktkommunikation seinen Lebenslauf hineinsetzen kann. Dieses Booklet wird dann an mehrere 100 E-Mail-Adressen aus Industrie und Werbelandschaft versendet. Die Unternehmen melden sich bei uns! Ich bekam einige Anfragen und habe einige abgelehnt, weil sie schlichtweg nicht zu mir passen aufgrund der Stelle oder des Standorts wie bspw. Schwäbisch Gmünd, wo ich nicht hinwill. Es ist interessant zu sehen, wie sehr Praktikanten in der Branche gesucht werden, um die Kosten niedrig zu halten. Diese Woche habe ich drei Skype-Interviews mit den Agenturen Heye aus München, Philipp + Keuntje aus Hamburg und FischerAppelt aus Berlin. Das Interessante daran mag sein, dass ich mit 21 Jahren noch nie ein Vorstellungsgespräch hatte. Habe ich nie gebraucht. Ich war also bestens vorbereitet auf jede hinterlistige Frage, wusste klar meine Stärken, Schwächen, alles über das Unternehmen. Das Interview lief aber ganz anders ab. Es waren immer entspannte Talks über meinen Lebenslauf und keine klassischen Interview fragen. Ich hatte mit allen drei ein gutes Interview (meiner Meinung nach, haha), habe bis jetzt aber von Heye und FischerAppelt nichts gehört und von Philipp und Keuntje eine Absage bekommen. Aber das ist auch gar nicht schlimm, weil ich eigentlich eh viel lieber in einem Startup Praktikum machen würde. Diese planen leider so kurzfristig, dass ich mich bei diesen erst im Januar oder Februar bewerben kann. Mal schauen, wo es mich hintreibt.

 

Quesadillas und Kung Fury

Wir wollten mal wieder etwas Neues kochen, nachdem wir meistens Nudeln, rote Linsen, Kichererbsen und Reis variabel kombinieren. Tobi hatte die Wahnsinnsidee Quesadillas zu machen. Standardmäßig haben wir viel zu viel gekocht und viel zu viel gegessen. Dazu haben wir ein bisschen Kung Fury angeschaut, was auch mal wieder extrem witzig war!

Quesadillas

 

Unglaublicher Beerpong-Wurf

Am Abend spielen wir Beerpong und ich versuche aus Spaß zwei Bälle mit einer Hand zu werfen und treffe sogar mit beiden Bällen bei noch fünf stehenden Bechern! Hach, das war der Wahnsinn! Noch nie probiert, ging gut und werde es auch nie wieder probieren. Das kommt genau so in den Lebenslauf! Ein One-Hit-Wonder, der nicht wiederholt werden sollte! Achso, wir haben jetzt aufgestockt, um die Schwierigkeit zu erhöhen…

Fernandez

Am Tag darauf spielen Dani (ein Ösi) und ich Squash als uns einer fragt, ob wir denn öfters zum Spielen kommen, dann könnte man mal durchmischen und neue Spielpartner finden. Da sagen wir natürlich zu und wir tauschen die Nummern aus, damit man mal was organisieren kann. Einen Tag später schreibt er mir mit der Einleitung: “Hey Fernandez, right?” Ich schmeiss mich! Als ich ihm sage, dass ich eigentlich Ferdinand heiße, entgegnet er, dass ich doch sehr südamerikanisch aussehen würde. Ich erzähle die Story von Fernandez ein paar Leuten aus dem Wohnheim, die mich kurz danach in ihrem Handy meinen Namen umändern und versuchen mich nur noch Fernandez zu nennen. Übrigens sollte man beim Erzählen solcher Storys den Satz “Ich habe einen Typen im Fitnessstudio getroffen” überdenken, weil das total falsch rüberkommt. Die Geschichte erzähle ich Callum, als wir das erste Mal spielen und er sagt darauf: “Maaan, it’s Fernando right?” Und ich dachte schon, was mit ihm los ist, dass er das nicht auf die Reihe bekommt. Jedoch war es nur ein Joke von ihm.Callum (das ist sein Name), ist echt cool und ein richtiger Wettkämpfer. Wir spielten das erste Mal und ich führte 5:2 in den Sätzen. Dennoch frägt er: “Komm noch einen Satz, wer den gewinnt ist der Gewinner des Tages.” Witzig allemal!

 

Dieses Neill-Wycik

Ich stehe auf um 8:00 morgens und gehe erstmal in die Küche. Es ist warm. Ich schaue auf den Herd und sehe, dass die große Herdplatte an ist. Diese war die ganze Nacht an. Nicht auf Stufe 1, nicht auf 3, auch nicht auf 6, sondern eiskalt auf Stufe 9 um Mac’n’Cheese zu machen. Meine Mitbewohner bringen mich glaube ich noch um. Danach schaue ich aus dem Fenster und bin total verwirrt. Zur Erinnerung: ich wohne im 16. Stock. Draußen sehe ich eine Tim-Hortons-Tüte (eine Café-Kette) rumfliegen. Wie kommt die da hin?

 

World-Vegan-Day

An diesem Tag war Welt-Veganer-Tag, zu dem ich Tobi erst einmal gratuliert habe mit einem sehr kreativen Geschenk, an dem ich lange getüftelt hatte. Er bekam meine letzte Avocado! Um dem Tag, die Aufmerksamkeit zu schenken, den er verdient, sind wir zum Hogtown Vegan gefahren, einem komplett veganen Restaurant. Tobi meinte, dass er noch nie zuvor alles auf der Karte auswählen konnte. Wir haben zwar 30$ dagelassen, aber danach war ich mehr als voll. Der Unchicken-Burger war mächtig und Tobis doppelter Soja-Burger anscheinend auch. Als Logo hat der Schuppen übrigens ein Schweinchen, was ich irgendwie süß finde! Wir sollten wiederkommen…

 

World-Sandwich-Day

Zwei Tage später war der Welt-Sandwich-Tag, an dem wir uns vornahmen einfach nur zu Subway zu gehen, weil es zwei Subs zum Preis von einem gab. Ich erzählte in der Küche meinen Mitbewohnern davon. Tameika meinte zu Danaca, dass sie vor dem Konzert am Abend eigentlich keine zwei Subs essen könnte. Danach hatte die Spitzenidee, dass sie doch einen essen könnte und den zweiten eingepackt schnell nach Hause bringt. Der Subway ist unser Nachbar. Ich war total verwirrt und merkte so an, dass sie ja einfach gemeinsam zwei Subs nehmen könnten. Beide lachten los, Tameika schaut mich an und meint “Sometimes I hate you. You are the voice of our stupidity.” Ganz recht!

 

Design Thinking

Am Abend sind wir zu einem richtig coolen Workshop in der Startup School gegangen. Design Thinking mit (Obacht!) Dr. Steven A. Gedeon, BSc, MSc, MBA, PEng, PE, PhD (MIT). Ja, das hat er alles gemacht. Ein wirklicher Experte und einer der Professoren im Entrepreneurship-Kurs der Ryerson University. Ich habe mich sehr auf den Workshop gefreut, da Johannes mir den Steve Gedeon ans Herz gelegt hat, nachdem er einen Vortrag von ihm in München gehört hatte. Anscheinend macht er viele Projekte mit dem CDTM und Strascheg Centre in München. Wir sollten in dem Workshop die perfekte Brieftasche für unseren Banknachbarn (Tobi) designen. In einer Stunde! Das Ergebnis war ein Paper-Prototype, der aber echt genau meinen Bedürfnissen entsprach. Bei der Startup-School gab es dann nochmal Pizza umsonst. Die Tagesbilanz war aus Sicht eines Ernährungsberaters verheerend: Subway, Pizza, Subway.

Design Thinking Startup School

Design Thinking Startup School

 

Toronto Raptors

Eins meiner Highlights war auf jeden Fall dieses Spiel. Basketball. NBA. Die ganz große Bühne! Wir schauten uns die Toronto Raptors vs. Miami Heat an und waren im oberen Rang der Haupttribüne. Es ist der wirklich eine krasse Show mit Feuer, mit DJ, mit lustiger Unterhaltung. Das ist ganz schwer in Wort zu fassen. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal gesehen zu haben! Mit unserer Unterstützung haben die Raptors schlussendlich auch 96 – 87 gewonnen. Klasse Spiel, klasse Erfahrung und würde ich bestimmt noch einmal machen, wenn das nicht so saumäßig teuer wäre…

 

Sicherheit bei Kreditkarten

Ich habe seit Oktober die N26 Kreditkarte eines Berliner Startups, die ich nur empfehlen kann, weil man in Echtzeit über jede Zahlung benachrichtigt wird und man innerhalb von 1 Minute seine Karte sperren kann, ohne irgendjemanden anzurufen. Tobi hat mich darauf aufmerksam gemacht, wofür ich ihm sehr dankbar bin! Kreditkartensicherheit finde ich sehr komisch. Wenn ich einkaufen gehe, muss ich einfach nur mit der Karte auf das Gerät “tappen”. Niemand schaut auf den Namen der Kreditkarte oder die Unterschrift. Es wird auch kein Pin benötigt. Jeder könnte mit meiner Karte einkaufen. Tobi hat eine ältere Version und muss jedes Mal unterschreiben. So auch dieses Mal im Loblaws. Als ich zur Kasse schaue, muss ich schon grinsen und wir lachen uns gegenseitig an, als ich ihn frage: “Hast du gerade mit einem Wachsmalstift unterschrieben?” Und er antwortet: “Ja, ein hellgrüner Wachsmalstift!” Also wirklich, unsicherer geht es doch gar nicht.

Spaziergang im Distillery District

Mit Minouk und Tobi ging es zum Distillery District wo die ein oder andere alte Brauerei beheimatet ist. Ein wirklich sehr schönes und altes Viertel mit Backsteinhäusern, kleinen netten Geschäften und vielen kleinen Dingen, die zu entdecken sind. An diesem Tag wurde der Weihnachtsbaum aufgebaut, da hier bald der Weihnachtsmarkt stattfinden würde (mehr dazu in den nächsten Beiträgen). Wir liefen hier durch, machten ein paar Fotos und machten einen Absacker in der Mill St. Brewery, wo wir Kroketten aßen und saisonales Bier tranken. Bei den Kroketten war eine mega gute Soße dabei, die seitdem meine bevorzugte Soße ist: Tabasco Chipotle! Kann ich nur empfehlen! Danach liefen wir noch weiter in den Park und am See entlang. Ein wirklich schönes Fleckchen!

 

Spielende Kinder

Der Spaziergang hat mir so gefallen, dass ich am nächsten Tag gleich nochmal einen Richtung Little Italy gemacht habe. Zudem kam ich im Queens-Park und auf dem UFT-Campus (University of Toronto) vorbei. In Little Italy war es schon ein bisschen italienisch, was man an den Restaurants sehen konnte. Was mir aber viel mehr gefallen hat, waren die Parks, in dem etwa 40-50 Kinder spielten. Sowas habe ich schon lange nicht mehr gesehen! In Deutschland sind die Parks meistens leer oder nur Kleinkinder unterwegs. Aber hier war auch eine Teenager-Schwester, die mit ihrem kleinen Bruder Baseball spielte. Das fand ich sehr cool! Außerdem gab es einen separaten Hundepark, in dem süße Hunde spielten. Ich lief dann durch eine richtig heruntergekommen Nachbarschaft, in der ich in der Nacht nicht laufen würde. Auf einem ranzigen Hinterhof stand dennoch der Porsche. Drogendealer?

 

Nicht schon wieder

Nachdem ich von meinem 12 km Spaziergang zurückkomme, ist in der Küche die Tür zu, was eigentlich nur der Fall ist, wenn Danaca raucht, weil sie nicht die WG vollqualmen will. Diesmal hat aber Tameika die Nudeln anbrennen lassen und es waren ein paar Freunde von ihr da. Ich meinte so: “Nicht schon wieder!” und Clayton lachte und fragte: “Was?! Ist das schonmal passiert?” Ja, mein Guter. Das passiert den Chaoten ständig…

Nächstes Mal erzähle ich, wie ich zum ersten Mal aus einem Club geschmissen wurde, weil ich so ein Badass bin!

Bis dann

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