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Mitbewohner, Clowns und Reggae

By 17. November 2016 No Comments
Halloween-Clowns

Der rote Punkt im Supermarkt

Hunger. Ich hatte richtig Hunger! Nachdem ich mich am letzten Abend in Montreal vollgefressen hatte, konnte ich den ganzen Tag nichts essen, hatte dann aber richtig Kohldampf. Deshalb sind wir zu Subway gegangen und haben gegessen. Spannend! Jedenfalls verließen wir den Subway und ich übersehe eine kleine etwa 1,60 Meter große schwarzhaarigen Frau um die 50 und rempel sie FAST um. Daraufhin meinte sie: “Ich bin zwar klein, aber überseht mich nicht.” Das war in einem witzigen Ton von Ihr und ich musste schon darüber schmunzeln. Wie es so sein sollte liefen sowohl Tobi, Lena, Dewi und ich, als auch die gute Frau die Carlton Street Richtung Loblaws (Supermarktkette) entlang. Die Frau war so aufgeschlossen, dass sie uns gleich gefragt hat, woher wir kommen, was wir studieren und dass sie im ersten Jahrgang der Journalismus-Klasse der Ryerson University studiert hatte. Sie wollte Stück für Stück herausfinden, ob wir wirklich in Toronto angekommen sind und fragte uns ob wir wüssten, was es mit den blauen Stühlen und dem roten Punkt im Maple Leaf Gardens auf sich hätte. Ich verneinten, worauf sie schnurstracks in den Loblaws lief und diese Andenken an das ehemalige Ice-Hockey-Stadion der Maple Leafs zeigte und erläuterte. Mitten im Loblaws gibt es einen roten Punkt mit einem 30 cm Durchmesser, was der Bullypunkt des früheren Stadions ist. Der Bullypunkt ist praktisch die Mittelpunkt beim Ice Hockey, wo der Anstoß (Bully) stattfindet. Danach wollten wir sie aber ein bisschen abwimmeln, weil wir wirklich nur schnell eine Kleinigkeit einkaufen wollte und sie nicht aufhören konnte zu erzählen. Tobi musste dann nur noch eine kleine Ewigkeit mit ihr an der Kasse ausharren. Die Kassierer sind hier so langsam. Könnten sich mal ein Beispiel am ALDI nehmen!

 

Apartment Crawl

Einkaufen mussten wir für den Neill-Wycik Apartment Crawl, den Martin organisiert hatte. Ich muss glaub nicht erklären, woher man die Leute kennt. Jeder Austauschstudent kennt irgendwie jeden. Er ist Franzose, was nichts zur Sache tut, und hat die Veranstaltung organisiert. Es ging darum, dass sich jede WG ein Land aussucht und diese mit den richtigen Accessoires ausstattet, sei es mit Dekoration, Getränken oder Essen. Ich wollte an dieser Stelle mal meiner WG eine Pause gönnen und nahm bei Tobis WG teil, die sich aufgrund seines vodkaliebenden britischen Mitbewohners für Russland entschied. Nachdem wir alles dekoriert hatten, ging es auch gleich im fünften Stock los und wir arbeiteten uns hoch bis 15. Dabei kamen wir bei Frankreich, dem Land des Weines, Österreich, dem Land des Gösser-Dosenbiers, Mexiko, dem Land des Tequila, Belgien, dem Land der Heineken-Fässer und Italien, dem anderen Land des Weines, vorbei. Am Ende war jeder sehr lustig unterwegs und man hat zusammen gelacht und gefeiert!

 

Klassisches WG-Leben

Da chill ich am nächsten Tag in meinem Zimmer und will gerade die Wohnung verlassen, dann denke ich mir: “Hmm, was höre ich denn da?” Meine Zimmernachbarin, der laufende Meter, hatte einen Macker am Start, was zur Ausbreitung akustischer Schallwellen geführt hat. Ich musste nur grinsen und bin gegangen. Am nächsten Tag kam sie in die Küche am Mittag, in die Decke gerollt wie ein kleiner Rollmops. Ich  fragte sie, ob sie denn einen schönen Nachmittag gehabt hätte. Sie sagt “Ja”, überlegte kurz, sagte “Oh no” und wiederholte das immer wieder während sie schnell die Küche verließ und sich in ihrem Zimmer verkroch. Das sollte noch des öfteren passieren, wie sich im Laufe der nächsten zwei Wochen herausstellte. Manchmal wurde man von ihrer Freundin in der Küchenquarantäne festgehalten, damit man das nicht mitbekommt – hat nicht funktioniert. Außerdem wurde auch klar, dass einer der Typen (es sind verschiedene) ihr bester Freund war, OMG! Als die beiden skypten und ich auch in der Küche saß, rief ich so rein: “Hi! Du bist mein Mann!” und er lachte und zurückrief: “Das war nicht mal sexuell, sondern nur freundschaftlich!”

An anderen Tagen sind meine Mitbewohner aber auch ganz entspannt!

Mitbewohner Kanada

 

Mitternachts-Poutine

Mit Tobi bin ich in der Woche um die Häuser gezogen, weil wir ein paar neue Bars in Toronto sehen wollten. Am Ende meinte ich zu Tobi: “Boah, jetzt habe ich voll Bock auf Poutine!” Deshalb sind wir zu Lou Dawgs, der BBQ-Bar neben unserem Wohnheim. Ich nahm die große Portion, die wirklich wirklich groß war. Das Foto ist eine optische Täuschung! Es war wirklich viel! Eigentlich hätte ich das gar nicht ganz gegessen, obwohl ich nie essen übrig lasse. Allerdings kamen dann noch andere Leute vorbei, bei denen Boudewien eine holländische Austauschstudenten, dabei war. Sie wollte mit mir wetten, dass ich die Portion nicht schaffe. Wetteinsatz: ein Bier. Ich musste ein bisschen kämpfen, konnte die Wette allerdings gewinnen. Das Ende vom Lied war jedoch, dass am nächsten Tag meine Verdauung verrückt spielte. Aber das war es wert!

 

Ticketgeile Müllsammlerin

In unserem Wohnheim muss jeder 2 Stunden pro Monat opfern und etwas der Gemeinschaft beitragen. Das kann ein Newsletterbeitrag, eine Putzaktion, eine Spende oder auch Recyclen sein. In meiner WG ist sehr viel Müll. Ich weiß nicht wie wir das schaffen, aber jeden Tag ist ein Recyclingsack voll und seit dem ersten Tag steht noch Kartonage vom Einzug rum. Bis zum heutigen Tag haben wir insgesamt schon 20 mal recyclet. Für jedes Mal Recyclen bekommt man ein Ticket & mit fünf Tickets sind die monatlichen Stunden abgehakt. Lena bezeichnet sich selbst als ticketgeile Müllsammlerinund hat sichtlich Spaß dabei:

Shoppen im H&M

Zwischenzeitlich waren wir mal bei H&M und UrbanOutfitters shoppen, wo ich in der Eckumkleide des H&M gelandet bin. Im Video kommt das gar nicht so groß rüber, aber ich schätze mal, dass das ein knapp 2x2m verspiegelter Raum war, in dem ich mich aus jedem Winkel sehen konnte.

Toronto Henge

Jeder kennt das britische Stonehenge, die alte Sonnenuhr. In Toronto gibt es am 25. Oktober den Toronto Henge, bei dem die Straßenführung mit dem Sonnenauf- und -untergang so zueinandersteht, dass das Licht genau die Straße entlang durchleuchten kann. Leni und ich sind spontan mit den Cams losgezogen, mussten aber feststellen, dass es ganz schön schwer war schöne Fotos zu schießen. Ich habe bei BlogTo jedoch auch ein paar wirklich gelungene Bilder gefunden.

 

Halloween-Clowns stehen vor der Tür!

Halloween ist in Nordamerika richtig groß. Alle verkleiden sich, dekorieren und gehen feiern. Tobi und ich gingen zu Dollarama und kauften unsere total crazy Clownskostüme. Wir waren jedoch keine Horror-Clowns. Irgendjemand meinte sogar, dass das verboten sei! Tobi schminkte sich, ich verzichtete, weil ich die Schminke beim Feiern echt nicht gebrauchen konnte. Die rote Nase musste dann doch reichen, auch wenn Tobis Schminke wirklich gut aussah! Es wird außerdem nicht nur am 31. Oktober gefeiert, sondern das ganze Wochenende drumherum, was dazu führte, dass wir mehrere Tage nacheinander feiern waren! An einem Abend waren wir bei meiner Mentorin eingeladen und feierten dort, bevor wir in den Union Nightclub sind. Wir standen sehr lang in der Schlange und konnten diese skippen, indem jeder 10$ zahlt. Das haben wir auch gemacht, weil wir eh schon spät waren. Der Club ist richtig cool, aber leider viel zu schlecht belüftet und klimatisiert. Man ist nach 5 Minuten total fertig und verschwitzt, weil es kaum auszuhalten ist, aber wir hatten dennoch Spaß und meine Mentorin hat verrückt getanzt, was ich ihr a) nicht zugetraut hätte und b) mega witzig war!

 

Gruppenarbeiten in Kanada

Jetzt kommen wir zu einem sehr leidigen Thema. Meine Gruppenarbeit im Fach Social Media. Wir sollten uns treffen und über das Treffen tweeten. Hier haben mich schon einmal alle drei 45 Minuten warten lassen. Darüber hinaus arbeiten alle so chaotisch und schieben alles einfach via Copy + Paste in ein Dokument, was total unstrukturiert ist und auch meine Hinweise werden nicht beachtet. Eine von diesen redet immer nur mit ihren Kollegen und nicht mit mir und allgemein hat keiner Bock auf die Arbeit. Na gut, da muss man dann mal durch. Nächstes Treffen: diesmal hat man mich 30 Minuten warten lassen, zwei sind gar nicht erst aufgekreuzt. Als ich die Eine dann auf das Thema ansprach und meinte, dass es so nicht geht und dass sie mich insgesamt so lange haben warten lassen, sagte sie “Sorry ‘bout that.”, dreht sich um und ging einfach weg. Danach war ich echt richtig angepisst! Tobi kann die Geschichte bestimmt schon nicht mehr hören. Jetzt muss er sie hier lesen, haha! Nachdem ich meine Optionen abgewogen hatte, entschied ich mich für den Boykott. Ich würde einfach nichts mehr machen, was total unsportlich ist und eigentlich von schlechtem Charakter zeugt, wenn man sich auf das Niveau herablässt, aber lieber bin ich der Arsch als der Verarschte. Als es dann wirklich um unsere Abgabe ging, fragten sie mich am Abend vor der Deadline um 21 Uhr, ob ich denn meinen Teil machen könnte, worauf ich meinte, dass ich keine Zeit hätte und es “total vergessen” hätte. Die Antwort war überraschend, als sie meinten, dass sie es übernehmen würden. Um 23 Uhr kam dann die Nachricht, dass ich doch die Präsentation machen könne. Ich sagte “Ja, ich mach es in der Früh, kein Problem.” Als ich am nächsten Tag extra um 7 Uhr aufgestanden bin (die Abgabe war um 10, ich hatte also genügend Zeit), um die Präsentation zusammenzubasteln, war sie schon erledigt. Die hatten wohl Vertrauen in mich. Das war wirklich die schlechteste Gruppe, die man so bekommen kann und ich habe es mit meiner Entscheidung sicherlich nicht besser gemacht, aber Hauptsache es ist vorbei!

 

Routine

Mittlerweile hat sich eine Routine etabliert. Ich fühle mich nicht mehr als Tourist, sondern mehr als Torontonian. Wir gehen Billard spielen, kochen leckere gefüllte Paprika oder die herrlichsten Quesedillas! Eine kleine Sammlung von wahllosen Bildern, die nirgends wirklich reinpassen:

 

Reggae-Uber

An einem kalten Sonntagnachmittag gingen wir zum Kensington Market, wo ein Straßenfest stattfand. Es war echt cool, es lief Musik, es gab eine kleine Break-Dance-Szene, verschiedene Leute haben musiziert oder Mädels mit ihren Füßen in der Luft balanciert (ich hoffe, dass die Beschreibung die Vorstellung anregt!). Als wir das erste Mal beim Kensington Market waren, war ich ja total vom Ungarisch-Thai-Restaurant fasziniert. Diesmal haben wir darin gegessen! Ich dachte eigentlich, dass die verschiedenen Nationalgerichte kombiniert werden, sowas wie Thai-Gulasch, Paprika-Curry oder Pad Thai mit Sauerkraut. Das wäre aber wohl doch zu crazy, weshalb in dem Restaurant die Spezialitäten separat angeboten werden. Hat auf jeden Fall richtig gut geschmeckt. Ich habe mich für thailändisch entschieden, wobei ich ja großer Sauerkraut-Fan bin!

Die folgenden Bilder hat ausschließlich Lena gemacht und da sind ein paar richtig schöne dabei:

Um zurückzufahren, bestellten wir einen Uber. Der Name des Fahrers ist laut der App “Smart”. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber wenn es so wäre, wäre es ultracool! Das besondere an Smart war, dass er nur Bob Marley laufen ließ und dazu mit ganzem Herz und Seele sang! Das Reggae-Uber machte richtig Spaß! Er erklärte mir, dass die heutige Musik nicht gut sei und in den Lyrics nur Kraftausdrücke vorkämen. Vielleicht hat er Recht. Seitdem höre ich auf jeden Fall, wieder mehr Reggae und Dancehall.

 

UV-sicherer Ausweis gefällig?

Neben unserem Student Learning Centre ist eine kleine ungenutzte Fläche, wo es kleiner Stände gibt, wo man Flaggen, Mützen, bisschen Schmuck und anderes Zeug kaufen kann, das man nicht braucht. Dort ist aber auch sehr prominent dieser Stand zu finden, bei dem man einen UV-sicheren Ausweis machen lassen kann:

UV ID

 

Mein „großer“ Auftritt

Am 27. Oktober war es soweit! Nachdem Matze (mein Mitbewohner aus Stuttgart) und ich im vergangen Jahr bei SOKO Stuttgart Komparsen gespielt haben (es war der 23. Oktober 2015), kam nach mehr als einem Jahr der Streifen ins Fernsehen. Man sieht mich für 0,5 Sekunden und ich bin nicht erkennbar, wer dennoch Interesse hat, kann sich die Folge hier in der Mediathek ansehen. Ich komme schon in den ersten drei Minuten vor, falls jemand nur meine Performance sehen will und nicht den ganzen Film. Fluch des Geldes heißt die Folge: https://www.zdf.de/serien/soko-stuttgart/fluch-des-geldes-102.html

Soko Stuttgart

 

Nächstes Mal erzähle ich vom Distillery District, warum ich die Stimme der Dummheit bin und warum wir lachen müssen, wenn wir einen grünen Wachsmalstift erwähnen.

Bis dann & Cheers,

F

 

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