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Finally arrived in the 6! – Toronto

By 19. September 2016 No Comments
Toronto am Abend

Da waren wir nun. Toronto Airport. Wir lagen im Zeitplan, um noch rechtzeitig bei unserem Airbnb anzukommen. Am Schalter fragte mich der Polizeibeamte was ich in Kanada mache, was ich mit „Studying“ beantwortete und zeigte ihm meine Zulassung für die Ryerson University. Nachdem ich alle Fragen souverän beantwortet hatte, ging ich in zu den Gepäckbändern, weil ich dachte, dass Tobi dort schon auf mich warten würde. Weit gefehlt! Er hatte Probleme mit der Einwanderungsbehörde, weil er den Zulassungsbrief nicht ausgedruckt hatte. Daher musste ich eineinhalb Stunden auf ihn warten. Dabei gingen mir die Mars aus. Das war schrecklich.

 

Münzen, Zettel, wtf?

Wir nahmen den Pearson Express zur Union Station (Hauptbahnhof) und suchten verzweifelt die U-Bahn-Haltestelle. Dort wollte ich ein Ticket lösen, worauf mich der Subway-Mitarbeiter darauf hinwies „Cash man!“. Das ganze U-Bahn-System basiert auf Münzen! Du gehst hin, schmeisst deine Münzen passend ein. WOW! In welcher Stadt sind wir gelandet? Warum gibt es hier keine Online-Tickets? Ich hatte ein Airbnb nahe der Universität gebucht. Leider war das nicht die Ryerson University, an der wir beide studieren, sondern die York University am anderen Ende.

Airbnb bei der York University Abraham

 

Der Weg scheint kein langer zu sein, jedoch handelt es sich hier um eine 19,3 km Tortur mit einem 18,7 kg schweren Rucksack durch gefüllte Busse. (Wir sind um 11 Uhr in Reykjavik losgestartet & es war 21 Uhr in Toronto. Rechne mal aus, wie lange wir schon unterwegs waren unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung.) Beim zweiten Bus wollten wir wieder ein Ticket lösen, hatten aber kein Geld mehr. Der Busfahrer war so nett und ließ uns mitfahren, was theoretisch unnötig ist, weil man für eine einfache Fahrt immer 3 CAD zahlt und beim Umstieg ein Transferticket löst. Das System ist so umständlich, das glaubt man kaum.

 

Es gibt keinen Abraham in diesem Gebäude

Nach einer sehr langen Fahrt, kamen wir endlich bei der richtigen Adresse an. Es war 23 Uhr und wir wollten einfach nur noch schlafen. Nur doof, dass wir vor einem hotelähnlichen Gebäude mit 22 Stockwerken standen und nicht wussten wo Abraham, unser Host, wohnt. Er meinte nur, dass er den Schlüssel beim Feuerlöscher verstecken würde. Wir haben nach 20 Minuten das Zimmer gefunden, aber vom Schlüssel fehlte jede Spur. Abraham hörte uns jedoch und begrüßte uns herzlich. Einmal Glück gehabt. Er hatte sich schon Sorgen gemacht, ob wir sicher in Kanada gelandet sind.

Abraham ist richtig cool und vermietet ein kleines Zimmer für 18 Euro pro Nacht mit einem unglaublich schönen Ausblick über Toronto im 14. Stock. Er nahm uns noch mit zu Pizza Pizza, der kanadischen Version von Domino’s Pizza. Danach war auch Schluss und Zeit zum Schlafen gehen. Wer ein gutes Airbnb in Toronto braucht, soll sich melden. 😉

Erstmal einen Uber nehmen

Es war der 1. September, was unser Einzugsdatum im Wohnheim bedeutete. Wir entschieden uns gegen ÖPNV, sondern stattdessen für einen Uber, was mit 11 CAD pro Person für eine Stunde Fahrt überraschend günstig war. Probleme bereitete gleich mal unser großes Gepäck, das in den Mercedes nur hineinpasste, weil sich der Fahrer und Abraham, die zusammen geschätzte 160 kg wiegen, auf das Stufenheck stützten und hinunterdrückten. Eigentlich wollte ich während der Fahrt noch ein bisschen schlafen, was durch Tobis „streng“ riechende Schuhen gänzlich unmöglich war.

 

Neill-Wycik Co-operative College

Neill-Wycik Cooperative College Toronto

Wir wohnen im Neill-Wycik Co-operative College, das auf 22 Stockwerke mit Dachterrasse Wohnung an Studenten vermietet und mit fünf Minuten Fußweg direkt an unserem Campus liegt. Tobi und ich sind in zwei unterschiedlichen WGs untergekommen. Er lebt in einer 4er WG im 15. Stock und ich in einer 5er WG im 16. Stock.

Finally.

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Trotz guter Lage, Preis, Aussicht, Fitnessstudio, Billardtisch etc. gibt es leider auch ein paar Mäkel anzukreiden. Zum Beispiel funktionieren nur zwei der vier Aufzüge, was für unerträglich lange Wartezeiten sorgt. Außerdem lässt die Sauberkeit zu Wünschen übrig.

 

Wir begegneten im Aufzug einem Kanadier und redeten über Kanada, Austausch und Studium. Er war ein bisschen neben der Spur, da er irgendwann ausstieg und noch zu uns schrie „That’s not even my floor, fuck!“.

Welcome Party

Noch nicht mal richtig eingezogen starteten wir gleich zur Welcome Party in der Ryerson University. Der erste Eindruck war: nordamerikanischer Stil, wie man ihn sich nur vorstellen kann. Lange breite Gänge werden von vielen schmalen hohen Schließfächern eingerahmt. Hier könnte man doch wunderbar mal jemanden kopfüber hineinstecken, witzelten Tobi und ich. Eine wirklich lustige Vorstellung. Bei der Welcome Party für International Students lernten wir viele Leute kennen und bekamen die amerikanische Mentalität zu spüren, als es am Schluss hieß: wir schreien „Ryer!“, ihr schreit „Son!“. Wir Deutschen schauten uns nur an und grinsten, weil sowas einfach nicht in unseren Genen liegt. Ich achtete natürlich besonders auf Unterschiede der Kulturen, weil ich das erste Mal in Nordamerika unterwegs war. Mir fiel sofort auf, dass hier an alle Kulturen oder Lebensweisen gedacht wird. Wenn es z.B. Essen gibt dann in mehreren Varianten: Normal, Vegetarisch, Vegan und Halal.

 

Leere Küche

In unserem Wohnheim sind die Zimmer möbliert und die Küchen halbwegs gut ausgestattet. Da musste erst einmal eine Shoppingtour bei Dollarama her, um ein bisschen Equipment und Essen zu kaufen. Als ich am Abend zurückkomme lerne ich meine Mitbewohner kennen. Wir haben hier einmal Danaca, eine kleingeratene Kanadierin, die Sprachen studiert und unbedingt Deutsch lernen will. Ihre allerbeste Freundin Tameika wohnt ebenfalls bei uns. Als ich sie kennenlernte, klopfte ich an ihre Tür, wobei ich nicht wusste, dass sie direkt dahintersteht. Sie erschreckte sich so sehr, dass sie kurz aufschrie, sodass ich mich erschreckte und ebenfalls einen Laut von mir ließ. Beide arbeiten im Kino, weshalb wir für vier Monate kostenlos in jede Vorstellung gehen können. Eine Woche später ist der schwule Julian eingezogen, der bei H&M arbeitet und auch Kanadier ist. Zu guter Letzt gibt es noch Rachel. Sie ist das schwarze Schaf in unserer WG. Während alle total nett sind und sich gern in unserer coolen Küche aufhalten und jeden Abend Beerpong spielen, studiert Rachel Vollzeit und bleibt in ihrem Zimmer, wenn sie da ist. Sie hat schon eine Woche hier gewohnt, bevor ich Sie das erste Mal sah. Nett und sympathisch finde ich sie auch nicht. Aber na gut. Ich bin trotzdem extrem zufrieden! Darüber hinaus gibt es Freunde, die hier praktisch auch wohnen, wie Krysten oder Filip. Wer Suits gesehen hat kennt vielleicht „Tony Gianopoulos“, das ist der Vater von Filips bestem Freund. Kraaasss!

 

 

Willkommensessen

Tobi, Lena (ebenfalls aus Stuttgart) und ich entschieden, dass ich die bessere Küche und Mitbewohner hätte, was dazu führte, dass seitdem alle Abendessen und –veranstaltungen in meiner Küche stattfanden und stattfinden werden. Tameika und Danaca waren so lieb und fragten mich, ob ich denn auch Lust auf Pasta hätte. Ich sagte ja und fragte. ob denn helfen könnte. Die beiden verneinten und wiesen mich darauf hin, dass sie doch nur die Nudeln erwärmen müssten. 15 Minuten später standen eingebrannte Spaghetti und eine noch nicht erhitzte Tomatensauce auf dem Tisch. Habe wirklich noch niemanden erlebt, der das verkackt hat. Es hat trotzdem irgendwie geschmeckt! Am Abend checkten wir unsere Dachterrasse aus und machten uns bewusst, dass wir in Toronto angekommen sind und wir die nächsten vier Monate hier leben würden. Einfach nur geil!

 

Orientation für Austauschstudenten

Um den Einstieg ins kanadische Großstadtleben für Austauschstudenten zu erleichtern, veranstaltete die Ryerson einen Orientierungstag für uns. Circa 200 Austauschstudenten aus aller Welt saßen in einem Vorlesungssaal und erwarteten gespannt, was uns die einzelnen Angestellten zu berichten hatten. Der Kulturschock wurde hierbei stark in den Fokus gerückt, den ich voll und ganz nachvollziehen kann. Hier kam ein schwuler Araber zu Wort, der zuerst seinen Selfiestick auspackt und ein paar Fotos schießt und seinen Twitter-Account promotet. Er meinte, dass man in sein Büro kommen kann wenn man seine/n Liebste/Liebsten von zuhause vermisst, auch wenn sein Ratschlag wäre, den- oder diejenige „fallen zu lassen wie ein heißes Teller.“ Da riss er natürlich nur einen Witz, der sich aber als eine gute Überleitung zu den erstgemeinten Beratungsstellen herausstellte.

 

„Ich habe das mit den Preisen nicht so raus“

Am Ende gab es wieder Essen für alle, was uns daran erinnerte, dass wir mal schleunigst Lebensmittel einkaufen gehen sollten. Ganz in der Nähe unserer Unterkunft kauften wir bei Loblaws ein. Loblaws sieht wirklich nach hoher Qualität aus und hat eine Wahnsinnsauswahl und Wahnsinnspreise. Wenn man sich jedoch ein bisschen durchkämpft und sich die Zeit nimmt, Preise zu vergleichen, kann man günstig einkaufen. Ich ging mit zwei großen Tüten raus für 75 CAD (50€), was für mich total okay ist. Als wir Noémi (sie wohnt auch im Neill-Wycik und kommt aus Belgien) fragten, wie teuer ihr Einkauf war, sagte sie ganz leise 115 CAD. Wir waren natürlich total verwundert, weil das eine Menge Geld ist, worauf sie nur entgegnete: „I’m not good at pricing.“

 

Da kann man schon mal Tanzen!

Am Abend gingen wir zum Dundas Square, eine kleine Version des Times Square. Hier zeigt sich das erste Mal, dass die Kanadier wirklich verrückt sind. Vor dem Eaton Centre, einem großen Einkaufscenter, standen die Leute Schlange für neue Jordans, die ab dem nächsten Tag erhältlich waren. Wir interessierten uns viel mehr für das kostenlose Konzert, dass uns länger im Gedächtnis blieb, weil hier der Kulturschock ans Licht kam. Die Kanadier tanzen nämlich anders. Ganz anders. Einerseits werden kleine Kreise gebildet, die einen kommenden Moshpit vermuten lassen, allerdings dazu dienen, dass einzelne Tänzer zeigen können was sie draufhaben. Coole Aktion soweit. Andererseits tanzen die Kanadier zu zweit recht ungewohnt im Auge eines Europäers. Ich konnte online leider kein Video dazu finden. Beschreiben würde ich es jedoch so: die Frau twerkt mit ihrem Hinterteil an den Lenden des Mannes. Es sieht wirklich komisch aus, wenn die zwei dann Fahrt aufnehmen. Optional kann die Prozedur noch um ein bis zwei Personen mehr erweitert werden. Als ich Tameika erzählte, dass mich das stark irritierte, entschuldigte sie sich für alle Kanadier.

 

Chicken Nuggets mit Bacon and Cheese

An diesem Abend wurde mir sofort klar, dass diese Millionenstadt niemals stillsteht und wir eine verdammt gute Zeit hier haben werden. Nachdem ich heimgekommen war, spielten wir (wie fast jeden Abend) Beerpong und aßen noch etwas. Die Kanadier „kochten“ wieder mal erstaunlich gut, indem sie gefrorene Chicken Nuggets nahmen und diese in Speck und Käse einrollten. Ich probierte eins und kann sagen, dass das richtig richtig geil ist! NOT! Es ist einfach nur widerlich fett.

 

Schnitzeljagd

Nachdem wir heute bei Dollerama waren und unsere Küche vollends ausgestattet und zur Belustigung einen Hula Hoop Reifen gekauft hatten, war an diesem Tag Schnitzeljagd angesagt. Eigentlich hatten wir alle keinen Bock darauf, weil wir lieber so die Stadt erkunden wollten. Im Laufe der Zeit nahm jedoch der gewohnte Wettbewerbseifer zu und es stellte sich heraus, dass die Aufgaben wirklich lustig waren und zum Team-Building beitrugen. Zum Beispiel mussten wir auf dem Nathan-Phillips-Square die Nationalhymne singen, obwohl niemand Text und Melodie verinnerlicht hatte.

 

#cntower #toronto

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Mit dem Wassertaxi auf Toronto Island

Gestern Abend war wieder Beerpong angesagt, weshalb ich an diesem Tag erst um 11:22 aufwachte. Das wär gar nicht schlimm gewesen, wenn unsere kleine Gruppe nicht ausgemacht hätte, dass wir um 11:30 nach Toronto Island fahren. Ich war kurz davor zu sagen: „Sorry, ich geh nicht mit.“, habe es dann aber doch gelassen. Zum Glück! Tobi war in der selben Situation, gegen die wir einen Hot Dog am Hafen gegessen hatten, bevor wir mit dem Wassertaxi für 10 Dollar zur Insel fuhren. Auf Insel lagen wir nur rum, machten ein paar coole Fotos und kurierten uns wieder aus. Zu dieser Zeit war es in Toronto verdammt schwül und heiß, was ich in der Form nicht erwartet hätte. Mit offenem Fenster konnte ich gut schlafen, auch wenn das bedeutete, dass mich die Bauarbeiter am nächsten Tag um 7:30 Uhr wecken würden.

 

 

We saw some nice aerobatics today. Quite a hot day on Toronto Island! #toronto #island #aerobatics #sun #heaven #beach

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Canadian National Exhibition

Es gibt eine Sache, die ich an nordamerikanischen Unis liebe: „kostenlose“ Fitnessgeräte. Kostenlos steht in Anführungszeichen, weil ja nur die Deutschen nichts dafür bezahlen. Hier muss ich mir echt vor Augen halten, dass sich die Stuttgarter beschweren, wenn das Nahverkehrsticket um 5 Euro teurer wird, aber die Kanadier z.B. 5.000 $ im Jahr für ihre Ausbildung hinblättern, wenn das überhaupt reicht. Wir gingen bisschen ins Fitnessstudio, bevor es zur CNE ging. Die CNE ist wie eine Kirmes mit GANZ VIELEN Spielbuden, wie Beerpong, Basketballwurf, Frösche auf Blumen hauen, Ringe um Flaschen schmeißen oder Dosenwerfen. Außerdem können Familien viel Geld bei kleineren Fahrgeschäften liegen lassen. Wir trabten durch die Exhibition und schauten uns zwei Shows an.

That's not Chinatown, but the Canadian National Exhibition. #canada?? #cne #sunny #colors #nofilter #toronto

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Die erste Show war in einer Arena, in der Ice Skater sowohl akrobatische Tricks, als auch künstlerische Tänze vorführten. Anscheinend war hier auch die Olympiasiegerin am Start, die ich aber nicht kenne. Die Show war sehr unterhaltsam und gut, v.a. als dann noch die englische Version von „99 Luftballons“ lief. Lustige Geschichte am Rande: Vor Beginn bewegten wir uns von unseren ursprünglichen Plätzen weg, weil ein Baby in der Nähe war, das nicht laut schrie, sondern einfach nur stank! Urplötzlich, nachdem die Show zu Ende war, nahmen wir einen penetranten und wirklich unerträglichen Geruch war, der dem des Babys ähnelte. Kurze Zeit später waren wir uns sicher, dass es DAS Baby war, obwohl wir etwa 20 Meter entfernt standen! Wie muss es wohl den Eltern gehen?

CNE Toronto Iceskating

 

XPOGO Stunt Team

Weißt du was XPOGO ist? Da hüpft man mit diesem Stock herum. DudePerfect hat dazu eine Folge mit Michael Mena gedreht. Der war auf der Canadian National Exhibition und hat ein paar coole Stunts vorgeführt. Tobi hat das Spektakulum richtig schön eingefangen:

@pogomena from @xpogo casually doing backflips on and off a pogo stick. #toronto #cne #whoa #xpogo

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Feuerwerk zum Abschluss

Am Ende durften wir noch ein kleines Feuerwerk von der Dachterrasse aus bestaunen. Das Lustige daran: ich habe dieses ganz coole Foto geschossen und Noémi hat es auf Facebook gepostet und sehr viele „Gefällt mir“ bekommen. Das macht mir nichts aus. Sie war jedoch gar nicht beim Feuerwerk dabei und postet das Bild. Darüber muss ich immer noch lachen.

Feuerwerk Toronto

 

Die erste Woche hatte viel zu bieten. Die Wochen danach würden aber nicht weniger spannend werden. Der nächste Beitrag kommt bestimmt.

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